Klüngelsumpf: Den Bock zum Gärtner machen

Selten traf das Sprichwort „den Bock zum Gärtner machen“ mehr ins Schwarze als bei der letzten Sitzung des Finanzausschusses der Stadt Köln. Ausgerechnet die Hauptbeteiligten der Börschel-Stadtwerke-Affäre, also Martin Börschel (SPD), Jörg Frank (Grüne)und Bernd Petelkau (CDU), stellten dort in trauter Eintracht einen Antrag zur Bekämpfung des Klüngelunwesens und Postengeschachers bei den städtischen Gesellschaften vor!

Und, oh Wunder, die vorgeschlagene Vorgehensweise käme den notorischen Heimlichtuern der ganz großen Kölner Koalition herrlich zu pass: Ein Arbeitskreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit solle die städtischen Richtlinien „verbindlicher“ gestalten. Von Aufklärung der ungeheuren Vorgänge rund um den geplanten 500.000 Euro-Versorgungsposten für Martin Börschel keine Spur!

Das war sogar den Vertretern der anderen Altparteien zuviel. Das ungenierte Vorgehen der Dreierbande erntete heftigen Widerspruch. Die AfD-Fraktion und die überparteiliche Ratsgruppe Rot-Weiß hatten ohnehin schon im Vorfeld deutliche Kritik an den skandalösen Zuständen artikuliert.

Wohl um Druck aus dem Kessel zu nehmen, vertagte daraufhin die schwarz-rot-grüne Ausschussmehrheit das dreiste Ansinnen. Die erschreckende Erkenntnis des Tages bleibt jedoch: Auf Seiten der Klüngelparteuen gibt es keinerlei Schuldbewusstsein oder auch nur die Spur eines schlechten Gewissens. Selbst die Hauptprotagonisten des Skandals schwadronieren von mehr Transparenz ohne dabei rot zu werden. Solchen Politikern kann nur mit einem beigekommen werden: mit dem Verlust ihrer Posten bei der nächsten Kommunalwahl!