Niemand muss Woelki Abbitte leisten!

Der katholische Publizist Martin Lohmann hat in der konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit eine wahre Lobeshymne auf den Kölner Kardinal Woelki angestimmt. Woelki hätte an konservativ-katholischem Profil gewonnen, sei gar zu einem Mutmacher aufgestiegen, der neue Horizonte eröffne. „Auch Kritiker seiner (früheren) tagespolitischen Irritationen müssen ihm heute aufrichtig Abbitte leisten“, so Lohmann weiter.

Was war geschehen, dass der als konservativ geltende Publizist derartige Lobeshymnen auf den Pegida-Domlicht-aus-Flüchtlingsboot-Gutmenschen von Köln intoniert? Nüchtern betrachtet eigentlich nicht viel: Woelki hat als katholischer Bischof in den letzten Monaten lediglich einige katholische Lehrmeinungen in Bezug auf Kommunionempfang, Ehe für alle und Lebensschutz öffentlich in den Medien vertreten. Wohl gemerkt relativ unumstrittene theologische Lehrmeinungen in der katholischen Amtskirche.

Was daran überraschend sein soll für einen katholischen Oberhirten, erschließt sich nicht wirklich. Politisch mutig ist daran schon gleich gar nichts. Vor allem aber wirkt es verstörend, wenn Lohmann den Kölner Kardinal wegen dieser Selbstverständlichkeiten in eine Art Traditionslinie mit seinem Amtsvorgänger Meisner stellen will. Wer den knorrigen Meisner aktiv in Erinnerung hat, kann darüber noch nicht einmal müde lächeln. Während Woelki dem politischen Zeitgeist stets zu gefallen sucht, hatte Meisner kein Problem damit, sich auch in weltlichen Fragen unbequem zu positionieren und sich z.B. der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Patrioten im Erzbistum Köln zu verweigern.

Theologisch mögen Woelkis neue Akzentuierungen also für katholische Traditionalisten erfreulich sein, aber ein Grund für eine Entschuldigung von Seiten seiner Kritiker in tagespolitischen Fragen sind sie sicher nicht. Viel eher ist Woelki mit seinem feinen Gespür für den aktuellen Zeitgeist zu unterstellen, dass er den „wind of change“ bereits wahrgenommen hat und er deshalb in Zukunft seinen Namen nicht allein mit politisch korrekten Positionierungen verbunden sehen will.

(Bild oben von StagiaireMGIMO [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, vom Wikimedia Commons)