Stadtwerke-Affäre: Klüngelbrüder überhäufen sich mit Lügenvorwürfen

“Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Was aber, wenn doch eine damit anfängt?”, hat dieser Blog bereits vor Wochen zur Börschel-Stadtwerke-Affäre gefragt. Die Antwort kann seit einigen Tagen verstärkt bestaunt werden. Die Kölner Altparteien und ihre Strippenzieher überhäufen sich gegenseitig mit Lügenvorwürfen. Eine Schlammschlacht, in die zunehmend auch die angebliche “Aufklärerin”, die von CDU, Grünen und FDP ins Amt gehievte Oberbürgermeisterin Henriette Reker, hinein gezogen wird.

Die Kernfrage in Bezug auf den geplanten schmutzigen 500.000 Euro Börschel-Deal lautet dabei: Wer wusste wann wieviel und hat dann was gemacht bzw unterlassen? Bisher sah es – auch dank der geschickten Selbstvermarktung von Reker – so aus, dass hauptsächlich Martin Börschel (SPD), Bernd Petelkau (CDU) und Jörg Frank (Grüne) diesen Beutezug auf Kosten eines städtischen Unternehmens ausbaldowert und alle anderen Beteiligten weitgehend im Unklaren gelassen hätten.

Inzwischen steht hinter dieser These ein großes Fragezeichen. Relativ unstrittig scheint, dass die komplette grüne Ratsfraktion bereits vor dem Knall informiert war und trotzdem ihren Segen dazu gegeben hatte. Ein Umstand, der den angekündigten Rückzug von Jörg Frank schon fast wie ein bloßes Bauernopfer aussehen lässt.

Heiß umkämpft ist dagegen noch der genaue Kenntnisstand der übrigen Stadtwerke-Aufsichtsratsmitglieder und insbesondere der diesem diesem Gremium ebenfalls angehörenden Oberbürgermeisterin. Mediale Durchstechereien seitens der SPD lassen Reker in einem äußerst ungünstigen Licht erscheinen. Gestützt werden die Vorwürfe einer frühen Mitwisserschaft jetzt auch vom amtierenden Vorsitzenden des Stadtwerke-Aufsichtsrats, dem Arbeitnehmervertreter Harald Kraus. Er habe keinen Zweifel, dass Reker von der Personalie schon Wochen vorher Bescheid gewusst habe, so Kraus gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Was mag wohl noch kommen und welche Konsequenzen werden letztendlich daraus gezogen? Die Entwicklung dürfte in jedem Fall spannend bleiben. Schon jetzt kann aber ganz salomonisch festgehalten werden: Alle haben sie in gewisser Weise Recht mit ihren gegenseitigen Vorwürfen und Schuldzuweisungen. Denn die ganze  etablierte Politik in Köln hat einigen Dreck am Stecken und ist verlogen bis ins Mark!